Freiheit

Freiheit

Freiheit ist einer der Begriffe, über die nicht nur Philosophen diskutieren. Theologen, Ökonomen, Juristen, Politiker, Soziologen, Psychologen und Naturwissenschaftler – alle meinen darüber etwas sagen zu können und zu müssen. Und dann natürlich noch die Freimaurer als Konglomerat aller möglichen Professionen.

Als Freimaurer bekennen wir uns zu Werten. Der Großteil unserer freimaurerischen Werte entstammt dem Zeitalter der Aufklärung:

  1. Freiheit – soll verwirklicht werden durch die Freiheit von Unterdrückung und Ausbeutung als Grundvoraussetzung der Freiheit des Geistes und der individuellen Verwirklichung.
  2. Gleichheit -bedeutet Gleichheit der Menschen ohne Klassenunterschiede und Gleichheit vor dem Gesetz.
  3. Brüderlichkeit -wird verwirklicht durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und der Verständigung mit- und untereinander.
  4. Toleranz – wird gelebt durch aktives Zuhören und Verständnis anderer Meinungen.
  5. Humanität – umfasst die Summe aller vorherigen vier Grundsäulen und wird durch den „Tempel der Humanität“ symbolisiert, an dem Freimaurer arbeiten.

Der Begriff Freiheit ist also in einen Kontext eingebunden, in dem die einzelnen Ideale in einer Beziehung zueinander stehen, sich gegenseitig verstärken – aber auch begrenzen. Freiheit ist also kein für sich allein stehender Wert, sondern ist eingebunden in einen Wertekanon, der im Begriff der Humanität gipfelt.

Die philosophische Geschichte des modernen Freiheitsbegriffs beginnt mit Thomas Hobbes (1588–1679). Hobbes verstand Freiheit als Willkürfreiheit: Frei ist, wer tun kann, was er will, und daran von anderen nicht gehindert wird. Dieses Freiheitsverständnis hat man auch negative Freiheit genannt: Freiheit ist Unabhängigkeit von äußerlichen Zwängen.

Der Freiheitsbegriff, der dem heutigen Verständnis zugrunde liegt, wurde im Zeitalter der Aufklärung entwickelt. Die Aufklärung beinhaltet einen intellektuellen Aspekt, nämlich die Befreiung von hergekommenen Dogmen und Vorurteilen. Der politisch gesellschaftliche Aspekt verlangt die Befreiung der Menschen aus der vormodernen Gesellschaftsstruktur. Er zielt vor allem ab auf

  • eine Trennung von Staat und Kirche,
  • eine Begrenzung des Staates durch Grundrechte
  • eine Kontrolle der Staatsgewalt durch Gewaltenteilung
  • und die Ablösung der Legitimierung der Staatsgewalt durch das Gottesgnadentum durch eine Rückbindung an die Interessen der einzelnen Menschen – letztlich durch Demokratie.

Blickt man auf die Gegenwart, so zeigt sich eine Ambivalenz:

  • Das Recht auf Selbstbestimmung ist gegenwärtig weithin anerkannt
  • Jedoch wird die Idee individueller Autonomie oft sehr verkürzt verstanden.

So wurde beispielsweise im ökonomischen Diskurs aus der Selbstbestimmung die Eigenverantwortung und aus dem Subjekt der Selbstbestimmung die Ich-AG.

Es dominiert zunehmend eine Vorstellung von Autonomie, wonach sich Selbstbestimmung und Angewiesensein auf andere genauso ausschließen, wie Selbstbestimmung und Sorge um das Wohlergehen anderer.

Heute sind wir bestimmt durch die Definition von Freiheit als Selbstverwirklichung und Selbsterfüllung.

Freiheit als Selbstverwirklichung beruht somit auf zwei Annahmen:

  1. Es gibt einen Unterschied zwischen selbstbestimmten und fremdbestimmten Handlungen.
  2. Es gibt einen Unterschied zwischen authentischen Wünschen und manipulativen, die uns von unserem „wahren Selbst“ entfremden.

Doch was ist das wahre Selbst?

Hier kommt eine Unterscheidung ins Spiel, die der britisch-russische Philosoph Isaiah Berlin (1909–1997) bei seiner Antrittsvorlesung als Professor für Gesellschaftstheorie in Oxford 1958 populär machte: Die Unterscheidung zwischen positiver und negativer Freiheit.

  • Negative Freiheit ist Freiheit von äußeren Einschränkungen.
  • Positive Freiheit ist die Freiheit, über sich selbst zu bestimmen.

Berlin betont die manipulative Kraft von Ideen, insbesondere Ideen, welche eine einzigartige Wahrheit versprechen und somit zur Ideologie werden. Durch Wünsche wird das Individuum beeinflussbar. Und indem das Individuum basierend auf der „Definition von Freiheit als Selbstverwirklichung“ beeinflussbar wird, entsteht zunehmend eine unfreie Gesellschaft.

Es geht also um den Dualismus „Freiheit wovon“ und „Freiheit wozu“.

Aus dem GesetzSchau über Dich“ und dem KorrektivSchau um Dich“, verbleibt somit als wichtigstes das individuelle EntscheidungskriteriumSchau in Dich“.

Ein Zitat von Gerhard Haderer, österreichischer Zeichner und Gründer der Linzer „Denkwerkstatt Schule des Ungehorsams“ rundet das Thema ab. Das Zitat steht unter einem Cartoon, in dem Schweine in ihrem Pferch leben und von einem Mit-Schwein, das die Tore des Pferchs offen hält, den Satz zugeworfen bekommen:

Wenn ihr Angst vor der Freiheit habt, bleibt doch in eurem Stinkstall und lasst euch verwursten.“

Das bedeutet: Jeder Einzelne hat die Möglichkeit eine Chance zu ergreifen, oder nicht?

Wilhelm Gerbert

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